Nach zwei Reisen rund um Indien und Pakistan in den Jahren zuvor, waren der Osten mit Bangladesh und die Durchquerung der Mitte Indiens im Fokus. Fünf Monate sind ein ordentliches Zeitfenster um in Land, Leute und Kultur hinein zu schnuppern. Zwei Monate davon hat mich Birgit begleitet. Insgesamt waren es mehr als 9000 km mit vielen Höhepunkten, ein paar Hoppala´s und hier der Versuch es komprimiert auf den Punkt zu bringen.
Die markanteste Unterschiede der unabhängigen jüngeren Geschichte beginnt in Indien 1948. Bangladesh erreichte die Unabhängigkeit erst 1971 unter Mithilfe der Inder als Abnabelung von der Mutter Pakistan. Der Grossraum Bengalen ist ein willkürlich geteiltes Land mit selber Sprache, kultureller Vergangenheit und wunderbarer Kulinarik und ist dem unseeligen Einfluss der Briten gedankt.
Zurück nach Indien: der Kitt der Verbundenheit aller Inder ist stark über die nach wie vor existierende Kastensystem, den Einfluss der Eltern auf die Auswahl der Partner Ihrer Kinder und Kindeskinder, über die Abhängigkeit ein gesicherten Leben nur über einen Regierungsjob ( Altersversorgung / Pension ) zu bekommen und natürlich von Ihrer Religion bestimmt. Indien ist im Unterschied zu Bangladesh ein sehr hierarchischer Drill- oder Überwachungstaat, vom Kindergarten, zur Schule bis hin zur ganzen Verwaltung. Bin selbst damit in Berührung gekommen, absolut erschreckend wie eine unmenschliche Regelmaschine zum Disziplinarwerkzeug eines Staatsapparates bzw eines ganzen Volkes wird – deshalb ordnen sich dem Alle unter was natürlich der Korruption und Willkür Tor und Tür öffnet. Vielleicht hat es auch mit der Überheblichkeit des Kapitalismus zu tun, der hier in Indien, wie sonst nur bei den Amerikanern merkbar ist: Beide denken übrigens sie seien die Grössten! Die USA und nicht erst seit Trump, spielen Weltpolizist die Verantwortung nur im eigenem Vorteil sehend ( momentan in seiner erschreckendsten Form ). Die Inder neigen übrigens auch dazu in Superlativen zu denken und zu sprechen.
Vielleicht noch wichtig den Verlauf der Reise zu verstehen: Indien erlaubt zwar über verschiedene internationale Landgrenzen auszureisen, aber keine wider Einreise auf dem Landweg – wer das Chaos auf einer Indischen Botschaft oder Immigration erlebt hat, verzichtet gerne darauf , zumal ein Rückflug aus dem Nachbarland mit Fahrrad zwar lästig aber immer noch günstiger ist als ein Spezialvisa mit Interview in der Botschaft ! Aber jetzt genug gelästert zu den Regionen selbst:
East India:
Westbengal fällt als erstes durch die singuläre Sprache über das gesamte Gebiet ( ca so gross wie Österreich ) auf, was in Indien nicht selbstverständlich ist. Sie leiden ein bisschen, nicht durch die kommunistische Regierung, sondern durch die eiserne Regel Delhi´s, von einem auf den anderen Tag von Ihren Familien, Verwandten und Freunden über Nacht getrenntem Bangladesh, den Brüder und Schwestern über der Grenze. Die Infrastuktur ist merkbar niedriger und vernachlässigt von den religös Populisten des allmächtigen zentralistischen Staatsapparates. Landschaftlich geprägt von den Überflutungsgebieten des Ganges, Hogli und der Stauzone des Brahmaputtra´s. Ausgesprochen freundliche Menschen ohne touristischen Einfluss am Rande einer geschlossenen Grenze – hat für mich stark an die Situation von Niederösterreich und Burgenlands zu Zeiten des eisernen Vorhangs erinnert – nicht die Levels der Entwicklung, sondern der Unterschied zu anderen Zonen. Das Zusammenleben der Bengalis funktioniert sehr gut über alle Religionen hinweg, obwohl offensichtlich und sichtbar ist, dass die muslimischen Zonen benachteiligt werden. Ein besonderes Erlebnis war sicherlich in 2400m Höhe auf denTerrassen Darjeeling´s sitzend in die Welt der 8000 er zu Blicken – direkt den 8586 m Kangchendzönga vor der Nase und den Blick nach Sikkim. Auf- wie Abfahrt mit mehr als je 2000 Höhenmeter war eine materialfressende Herausforderung bis zur Grenze von Sikkim. Differenzierter wird es dann erst bei den Nachbarn.
Das überschreiten der Grenze von Westbengal nach Assam ist so markant wie noch nie erlebt in Indien. Keine Muslime, kleines Bollwerk gegenüber allem Anderen, Schweine an jeder Ecke, stolz speratistisch bis zum umfallen und Richtung Guwahahi die sichtbare Veränderung vieler Menschen mit einem ostasiatischen Ausdruck ( Myanmar ) – auch hier ausgesprochen freundlich und zuvorkommend. Hier ist mir besonders aufgefallen wie der Drill des Systems zu Slogans erfolgt ist, dass auf Fragen mit den selben Storys durch alle Altersgruppen in gelernten Phrasen erfolgt ist, die dann in grösstes, bestes, längstes, vollkommenste, erfolgreichsten Superlativ mündet – nur die, die schon mal eine andere Kultur kennen lernen durften sind da ein bisschen vorsichtiger. Landschaftlich geprägt und geordnet durch den Brahmaputtra und eingebettet zwischen hohen Bergen, viel Landwirtschaft, ein bisschen Industrie und dem Grundgefühl wie Vorarlberg, das sich über die Wiener mokiert. Zu erwähnen noch der Natiolpark Kaziranga, die Flussinsel Majuli, wilder werdene Fauna mit Raubkatzen und Elefanten und natürlich Tee, Tee, Tee.
Auf dem Rückweg aus dem äusserten Osten ( nur noch Zonen die mit Spezialvisa besichtigt werden dürfen ) war Bergradeln nach Meghalaya angesagt. Vertrauter, etwas kühler und natürlich wieder eine Religionsgrenze mit 75 % vorwiegende christlichem Matriarchat. Gehört, aber konnte es fast nicht glauben den hier haben die Frauen die „Hosen“ an. Egal ob im Business, beim Einkauf, im Laden …… die Männer lieben das hier, befreit von zu viel Verantwortung Ihr Leben ruhiger verbringen zu können. Landschaftlich gesegnet mit aussergewöhnlicher Brüchen und geformt durch das viele Wasser ( durchschnittliche jährliche Regenmenge von 12 m oder 12000 mm !!! bei uns 1200 mm ) habe ich die Situation hier, auch wegen der Kleinheit, als einen der relaxesten Teile Indiens wahrgenommen. Durch extreme landschaftliche und topographische Verwerfungen scheint es so ruhig und die Haupteinnahmequellen ist der Verkauf des Kalksteines der in abenteuerlichen Lastwagen hinunter bis an die Grenze nach Bangladesh erfolgt. Zurück zum Obgenannten als Beispiel: die Ausreise aus Indien trotz internationalem Grenzübergang, Durchlauf mit Stempeln in verschiedenen Gebäuden, Kontrollen, chaotischen Meinungen und Befehlen hat 4 Stunden gedauert!
Bangladesh:
Die Einreise hingegen nur 5 Minuten! Was für ein Land dieses Bangladesh – möchte eine Lanze brechen für soviel Gastfreudlichkeit, landschaftliche Schönheiten die noch nicht durch den Individualverkehr und Tourismus zerstört bzw verändert worden ist. Im Verhältnis zu Indien ist hier alles kleinteiliger, symphatisch und was mich am meisten erschreckt bzw verstört hat, wie überheblich die Mediamaschine in Indien dieses Land schlecht redet! Gewalttätig, arm, unterentwickelt wird geschrieben ohne zu realisieren wie korrupt, obrikkeitsgläubig, blind und manipuliert die Inder von Ihrem Staat behandelt werden.
War direkt im Zentrum der Proteste in Dhaka, obwohl Ihre Gallionsfigur der Revolution Osman Hadi, 2 Tage zuvor auf offener Strasse erschossen wurde – alles war sehr zivilisiert, zornig ja, aber ohne Gewalt – mag mir nicht vorstellen wie im Nachbarland damit umgegangen worden wäre. Ich wünsche mir das Allerbeste für Bangladesh, bzw könnt Ihr mir erklären, welche Studentengruppe oder junge Menschen es geschafft haben, die Alte korrupte Regierng hinauszuwerfen? Bei dieser Dichte an Personen von ca 180 Mio und einem Drittel des Landes das vom Hochwasser getroffen wird, dem steigenden Meeresspiegel und in einem aktiven Erdbeben- und Taifungebiet liegend, Indien die Grenze dicht gemacht hat ( mit der alten Korruption hat man sich arrangiert, aber vor dem Neuen haben Sie Angst ) und 1 Mio Flüchtlinge aus dem abgeschotteten Myanmar. Bin über Sylet, Kumilla, Chittagong bis nach Cox Bazar hinunter, hinüber zu den Sunderban´s in das sagenhaft Hinterland von Barishal in die Mitte nach Dhaka.
Über die Kleinteiligkeit und den Moloch Dhaka: schaut Euch die Nr 100 an wieso es aussergewöhlich ist diese Welt von 10 bis 12 stöckigen Gebäuden in Dhaka dicht an dicht und die sanfte kleinteilige Landschaft im Schatten von endlosen Alleen, besonders auf kleinen Strassen. Eine relaxte Atmoshäre in dem die Religion eine ungeordnete Rolle zu spielen scheint – zumindest für Menschen mit weisser Haut. Jedenfalls ein ruhigeres Leben wie in Indien, weniger Stress und Fanatismus.
Süd / Südwest Indien:
Chennai hat bei mir einen Bonuspunkt, ich mag diese Stadt einfach. Die Mitte zu durchquern war mir ein Anliegen neben einem weiteren Besuch eines der grössten Highlights Indiens und schönsten Orte der Welt anzusehen Hampi – hier hat der Herrgott zugeschlagen aber auf allen Ebenen :-). Also über Tamil Nado nach Andrah Pradesh und weiter nach Karnataka. Über Maharastra und viele schöne Orte zu den Ajunta Caves hinunter bis ans Meer nach Surat. Schöne ruhige Strecken auf denen ich kontiuierlich ein bisschen aufwärts gerollt bin. Birgit musste auf Grund Ihrer geschwollenen Archillessehne leider Ihren Start in Chennai absagen und wir haben die Ankunft um einen Monat nach hinten geschoben bzw 28 Tage Zeit die 2400 km in den Westen zu strampeln. Am unteren Ende von Gujarat angekommen, war die Distanz nach Ahmedabad zu unserem Treffpunkt gut kalkulierbar. Ein besonderer Abschnitt bis zur Ankunft war dem „Salzmarsch“ Gandhi´s zu folgen der durch ziviler Widerstand gegen die Repressalien der Briten, schussendlich die Solidarität Indiens geweckt hat die 1948 zur Unabhängigkeit Indiens geführt hat. Als Symbol dafür dient Gandhi´s Brille die bis heute auf jedem indischen Geldschein abgebildet ist.
West India :
Nach unserem gemeinsamen Start in Ahmedabad, die Freude war gross, sind wir in die Kutch aufgebrochen. Dies ist ein Salzwüstengebiet das die Harrapan- oder Induskultur beherbergt hat um 3300 BC zeitgleich mit den Ägypter. Landschaftlich über 300 km gestreckt mit umwerfenden Blicken in eine fordernde Natur. Überhaupt gehört Gujarat, bezüglich Gastfreundschaft, Grosszügig- und Herzlichkeit zum schönsten was Indien zu bieten hat.
Danach in den bekanntesten Teil Indiens nach Rajasthan mit seinen spektakulären Schlössern und Stufenbrunnen, sowie dem wunderschönen Aravalligebirge das sich längs durch das ganze Land zieht und wir x-fach gekreuzt und beradelt sind. Vertraute Umgebung, Freunde besuchen und gemeinsames Erleben war angesagt – etwas anstrengend mit auf und ab aber immer majestätisch ins Tal zu blicken und Orte zu entdecken die nur mit Langsamkeit zu sehen bzw erkennbar wurden. Wildes Land im Bereich der Wüste Thar, mit vielen differenten Landwirschaftszonen, endlose Kichererbsen- , Kreuzkümmel- , Anis-, Flohsamen-, Senf- und Rizinusfelder.
Unsere Rückflüge wurden wegen des Irankrieges 4 mal abgesagt bzw verschoben, was zu einer Visaverlängerung geführt hat mit der Konsequenz: 2 Besuche beim der Immigrationsbehörde die alle gestrandeten Antragsteller wie Vieh behandeln, ausfüllen von Formularen die nicht unter dem Code meines Ganzjahresvisas laufen, Geld für Fixer zu bezahlen der die Dinge beamtengerecht einfüllt obwohl das deren Aufgabe wäre oder um nicht wegen Lappalie zurückgereiht zu werden, anleitende Beschreibungen der Prozesse die nicht mit der Realität zu tun haben, Öffnungszeiten die nach belieben geändert werden, absolut chaotisch und nicht zu verstehen ….. die unschöne Seite Indien´s.
Bedanken möchten wir uns für all die Gastfreundschaft die wir geniessen und erfahren durften mit den nachstehenden Bildern -sorry an Alle die sich hier nicht abgebildet sehen – es war grossartig Euch zu treffen und wieder zu sehen !



