Bin auf dieser Reise jetzt 3 Monate auf dem indischen Subkontinent unterwegs – es ist doch Recht fordernd und die kulturellen Hürden sind enorm. Nicht nur religiös geprägt, sondern in allem: sprachlich, nicht Lesbarkeit der wichtigsten Dinge in Bild, Ton und Gestik ( bilde mir ein neugierig zu sein ), Mentalität, Chaos und Ordnung, die Geschlechter, einfach alles bis auf ein Lächeln, dass mir mehrmals am Tag begegnet.
Alles wird hier anders definiert und ist bei Ähnlichkeit doch nicht wirklich fassbar. Der indischen Subkontinent ist definitiv undiszipliniert, vordränglerisch, egoistisch, oberflächlich, selbstverliebt, aber trotzdem absolut liebenswert.
Unter putzen versteht man in Indien den Dreck so gleichmäßig zu verteilen, dass man Ihn nicht mehr sieht, anders formuliert: nass gewischt wird selten und Staubsauger habe ich in insgesamt fast einem Jahr hier noch keinen gesehen. Vielleicht liegt’s an den rotierenden Deckenventilatoren die eine optimale Verteilung erleichtern 😅. Realität ist nie böse, auch wenn sie öfter den Eindruck erweckt 🤫🤭 !

Verkehrsregeln Indien:
- Es gibt keine wirklichen Regeln und wenn dann maximal in zivilisierten Städten ( die sind selten und dann meist Bezirke 😁😉 ).
- Jedes einbiegen in eine andere Straße erfordert einen Blick auf beide Seiten !!! Egal ob Einbahn oder Autobahn es kommt immer ein Fahrzeug auch von der Gegenseite !!!
- Jeder Verkehrsteilnehmer der ( weil Linksverkehr ) von der linken Seite auf die Hauptstraße einfährt, schaut nicht was für ein Fahrzeug gerade kommt, alle schauen weg – es funktioniert aber für Westler doch sehr herausfordernd. Schimpfen erntet Unverständnis und wer in Indien glaubt Recht zu bekommen hat sich in den Finger geschnitten du bist immer selber Schuld !!
- Besondere Vorsicht bei folgenden Fahrzeugen:
- Tuktuk: die überholen dich immer und du musst damit rechnen dass er vor dir stehen bleibt-die sind alle unter Business Druck und absolute Egoisten.
- Busse: zweit gefährlichste Einheit weil immer unter Zeitdruck, das meint wenn man ein orgelndes Hupen hört einfach zur Seite gehen – die zweiten Gefahr, Busse haben hinten lange Ausleger und der Bus drückt sich mit seinem Heck einfach auf die Seite hinaus – habe gestürzte Mopedtler und gekugelte Tuktuks gesehen !!!
- Das Gesetz des Stärkeren gilt immer und Rücksicht ist eine Seltenheit !!!
- Zu erwähnen sind noch die regionalen LKWs oder Kipper, Betonwagen,…. die haben auch keine Skrupel – Fernfahrer sind da viel vorsichtiger!!
- Zu Tode gefürchtet bringt auch nichts – mir wurde in ca. 16000 km kein Haar gekrümmt ! Viel grösser ist die Chance einem Schlagloch, großen herumliegenden Steinen oder einem fehlenden Kanaldeckel zum Opfer zu fallen.
2026-01-27 Ende der Etappe – bin gut in Ahmedabad angekommen! Auf der Strecke einen Patschen und eine ledierte Bremsscheibe, aber mit funktionierender Hilfskette 😄 ( Danke im Voraus ) sollte das Problem in 2 Tagen gelöst sein.
Ahmedabad ist einfach eine coole Stadt!




Besonders die als World Hertiage geführte Altstadt von Ahmedabad. Eine leise Sohle in der Hektik der 6,5 Mio Metropole.





2026-01-26 Gestern noch was Besonderes: habe im Anwesen von Auroville Gujrat, gestaltet von Balkrishna Doshi, ein Gelände mit Meditationstempel und Wohnobjekten zugebracht. Lag auf meiner Linie und war letztes Mal einfach zu kompliziert um es zu erreichen. Architektonisch nicht sein Hauptwerk und leider nicht in einem besonders guten Zustand. Das ist Grundlage in Indien, sie sind gut im machen und gestalten, aber sobald es um erhalten und pflegen geht eine Katastrophe – egal in welcher Kategorie von der Brücke bis zum Hochhaus, vom Museum bis zum Wohnhaus – die Dinger schauen oft aus nach 20 Jahren wie Abbruchbuden. Finde ich sehr schade, aber entspricht dem Zeitgeist immer schneller und höher aber kein Plan von Nachhaltigkeit.




Der Weg dorthin war auch noch spannend, weil die Brücke über die ich schon zweimal gefahren bin, mittlerweile eingestürzt ist letzten Herbst und ich als Ersatz wieder eine kleine Bootsfahrt machen durfte. Auch die Moschee von Combay ist noch erwähnenswert, weil sie als ganzes erhalten ist und einen überzeugten Eindruck hinterlässt. Deutlich größer, feiner gestaltet und überzeugender als die World Hertiage Objekte die ich in Bangladesh besichtigen durfte.





2026-01-23 Dandhi Pfad war mir kein Begriff – vom Salzmarsch habe ich gelesen – dass das ein und dasselbe ist durfte ich hier erfahren. Es handelt sich dabei um den Protestmarsch von Mahatma Gandhi den Ihn im März 1930 als Protestmarsch von Sabartmati Ashram in Ahmedabad nach Dandhi bei Surat geführt hat. Mit dem zivilen Ungehorsam gegen die eingeführten Salzsteuer, hat er das Ende der britischen Besatzung eingeleitet. Ein ganz wichtiger, wenn nicht der wichtigste Schritt in der neueren Geschichte Indiens.




Manchmal habe ich das Gefühl, in etwas hinein zu stolpern, das so bereichernd ist und ich als großes Glück empfinde. Irgendwie macht es Freude der eigenen Nase zu folgen und es überrascht mich immer wieder, dieses Indien. Diesem Weg darf ich jetzt bis nach Ahmedabad folgen.




2026-01-21 Ein bisschen Kilometer fressen war angesagt Richtung Ahmedabad – möchte ja pünktlich sein wenn Birgit zur Landung ansetzt 😅.
Vom Weltkulturerbe Ajanta Höhlen ist es dann quer durchs Land Richtung Küste nach Surat ans Meer gegangen. Nachstehend ein paar Impressionen von Einladungen von der Strasse weg bis zur Übernachtung im Waisenhaus mit Schule und Hostel.




Aus ca 700 m Höhe ist es dann rund 200 km bis zur Küste nach Surat gegangen. Oben in den Bergen sehr trocken und unheimlich heiß im Sommer, ist danach durch Maisfelder und in der Ebene auf Baumwolle, richtig große Büschel gewechselt.




2026-01-18 World Hertiage Ajanta Caves: 26 buddhistische Felsentempel die in zwei Windungen in den ausgewaschenen Fels beginnend vor ca 3500 Jahre hineingeschlagen wurden. Manche in vollendeter Schönheit, manche als Ruinen die durch Umstände, herausgebrochene Felsstücke oder Risse, nie vollendet worden sind.





Im Unterschied zu in den Ellora Caves die ein paar Kilometer weiter existieren, aber 900 Jahre später errichtet wurden, in denen buddhistische hinduistische und Jain Tempel gemischt vorzufinden sind, gibt es hier viel Malerei die gestalterisch eingesetzt wurde.




Als großes Glück habe ich empfunden, am Morgen als erster die Anlage betreten zu können. Die Tempel, Hallen sind von einzigartiger Schönheit in Kombination mit der Natur – der Nachtwächter hat erzählt , dass am frühen Morgen ein Tiger mit seinem Jungen auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses passiert hat.




2026-01-15 Reise durch die Hochebene von Karnathaka und Maharastra. Unspektakulär auf den ersten Blick, die Reize liegen im kleinen und werden erst sichtbar sobald es hügelig wird und man etwas von der Topographie wahrnehmen kann.




Mein Telefon Desaster wurde auch geklärt und eine kleine Warnung: organisiert euch über eure erstes Hotel bei der Ankunft eine SIM-Karte. Die meisten Läden sind nicht informiert wie sie ihr Formular ausfüllen müssen das online in kurzer Zeit bestätigt wird. Unkorrekt heißt abgelehnt – keine SIM ! Die Messe ist gelesen ich habe eine und zurück zur Reise.
Letzte Nacht im Tempel verbracht und mit den Einwohnern das Drachenfest, übrigens in ganz Indien, mitgefeiert und auch kulinarisch verwöhnt worden. Einfache Speise wie ein Omelett aber in dünner Form gefüllt mit einer Paste aus Zucker und Mais. Dies wird in Milch eingerührt und dann Häppchen für Häppchen verdrückt – lecker lecker.





Was zur Kulinarik: ab Karnathaka vermehrt, gibt es bei Restaurants zwei Kategorien die da heißen: Erstens in roter Schrift non-veg und zweitens in grüner Schrift pure-veg und natürlich die Kombination das Beides drauf steht.
Meine Empfehlung ganz klar, geht nur in Lokale wo nur pure-veg drauf steht. Erstens ist es fast überall immer sauberer, fast immer schöner gestaltet und meint in Indien vegan – damit also kein Fisch und auch kein Ei in den Speisen. Was die hier mit ihrem Gewürzen und ihre Kreativität alles hervor zaubern ohne das vorgenannte ist unbeschreiblich – ein richtiges Erlebnis. Im Durchschnitt ist es gleich teuer wie mit Fleisch, weil relativ teuer ist in Indien, aber es geht Euch garantiert nichts ab.
2026-01-12 Karnathaka – Land der Ochsen und Heiligen Kühe. Durch die Nase atmen bei so viel Fülle war angesagt, war froh durch eine relativ unspektakuläre Landschaft zu radeln und wieder mal im Zelt zu schlafen …..



Hat nicht lange angehalten diese Ruhe, Bijapur ist mir dazwischen gekommen . Das erste islamische Gebäude aber keine Moschee, sondern Gom Gumbaz, das Grabmal eines Fürsten aus dem 17.Jhd. Mit über 50 m Höhe sehr stattlich und ein Erlebnis der hörbaren Art, weil jeder probieren wollte ob man seine Stimme im 9-fachen Echo eventuell noch erkennen könnte 😆😊. War aber trotzdem sehr beeindruckend.





Zieht sich über 7 Stockwerke mit dem Stiegenverhältnis von h+b 40*20 ….. Servus die Wadeln 😆 .
2026-01-10 Gleich darauf das nächste Weltkulturerbe in Pattatakal. Eine große Tempelanlage die über mehrere Jahrhunderte errichtet wurde und ihren Beginn zur selben Zeitpunkt wie Angkor Wat inne hat. Zur Zeit sehr populär, weil so viele Schulklassen und ein Pulk von Leuten anwesend waren – für mich wie ein Spießrutenlauf …. so ist es mir vorgekommen.




Das faszinierende ist dabei nicht die historische Komponente, sondern das eingebettet sein im Glauben der Menschen die hier auf Wallfahrt kommen. Hinter jedem Zeichen, Relief und menschlicher Darstellung ist eine Geschichte verborgen.




2026-01-09 Itagi, noch nie gehört, und wie ein kleines Wunder über mich hereingebrochen, weil es abseits des Mainstreams auch der Inder liegt. Ein Heiliger Platz der in der Mitte des 11 Jahrhunderts gebaut wurde und von solcher zart und Feinheit ist, dass mir glatt die Spucke geblieben ist. Besonders dann, wenn man bedenkt dass um dieselbe Zeit Osterichi zum ersten Mal erwähnt wurde und unsere Welt aus dem finsteren Mittelalter langsam in die Romanik findet – die Feinheit und Ziseliertheit der Hochgotik findet erst 300 Jahre später statt. Erwähnenswert ist noch dass die Säulen oder unten sichtbare Streifen Reliefs aus einem monolithischen Stein gehauen worden sind. Die einzelnen Figuren sind zum Teil nur 5 cm groß und man kann erkennen ob die Augen offen oder geschlossen sind ….. vor 1000 Jahren und die Vision die ganzen Teile mit einer unheimlichen Dichte als ganzes zusammenzusetzen – Respekt welche außergewöhnliche Leistung – 400 Brahmanen haben dieses Werk hervor gebracht!





Eigentlich würde das genügen für ein paar Tage aber die Dichte ist hier so hoch und ich bin in Badami gelandet. Künstlerisch nicht so ausgereift wie Itagi, aber total spektakulär wie die Tempel in den Stein gehauen worden sind. Nicht vergleichbar mit den Ellora Caves, aber landschaftlich perfekt gelegen.





2026-01-08 Karnathaka hat eine kulturellen Dichte und Vielfalt, dass mit die Ohren wackeln. Über Ballari bin ich nach Kampli zu Jaganmohan und seiner Frau und hatte einen wunderbar entspannten Ruhetag nach den letzten 600 km an einem Stück.


Und dann die Explosion – Gott sei Dank nur in meinem Kopf, weil ich zum zweiten mal in Hampi angekommen bin. Dieses Zusammenspiel von spektakulärer Natur, der großartigen Architektur die sich über eine Zeitspanne von 500 Jahren verbunden hat, Historie und Bedeutung für die Inder selbst, macht diesen außergewöhnlichen Ort aus.




Fällt mir wirklich schwer diese Dichte in Worte zu fassen. Schaut euch einfach die schönen Bilder an. Finde es als absoluten Glücksfall, dass das Alte so gute erhalten ist, das reale Leben bis zu den Monumenten hinreicht und der spirituelle Input der Hindus erhalten geblieben ist. Kenne ich in dieser Form nur hier, deshalb finde ich den Ort so außergewöhnlich.





2026-01-06 Andhra Pradesh hat echt was weitergebracht seitdem ich das letzte Mal hier war. Basis ist nicht eine Förderung der einzelnen Bauern, sondern ziemlich intelligent die zur Verfügung Stellung von Infrastruktur. Der Staat stellt ein Hauptleitungsnetz zur Bewässerung, die Pumpen alle paar hundert Meter und den Strom gratis zur Verfügung. Den Rest müssen die Bauern selber machen.




Die Gegend ist sehr religiös, unheimlich freundlich, die Leute zeigen ihre Freude wenn sie mich als Fahrradfahrer sehen mit vielen Daumen hochs. Man wird ständig eingeladen auf einen Tee, ein Essen oder sonst eine nette Gefälligkeit – nicht aus touristischen Geld Hintergrund oder sonstigen Auffälligkeiten, sondern von Herzen. Sehr ansprechend sind die Eingangsbereiche aus buntem Sand welche von Hindus täglich erneuert wird.





Kulturell und historisch hat der Bundesstaat nicht ganz so viel zu bieten wie die Kommenden. Aber die Landschaften, Dörfer und Herzlichkeit sind sehr überzeugend.
Schule ist Ordnung in Indien, hat vielleicht mit dem späteren Hierarchieglauben was zu tun und heißt für mich und reale Leben übersetzt: im Mangel öffentliche Toiletten, habe ich angefangen beim Schulen zu fragen ob ich selbige benutzen dürfte – wenn du nicht zufällig den Direktor erwischt, kann sich der Prozess über Minuten und 3, 4, 5 Personen hinziehen bis man dann seine Notdurft verrichten darf…… ein bisschen eigenwillig, aber es trifft den Nagel auf den Kopf.
Landschaftlich ist noch zu vermerken, dass von der Küste weg die Mangobäume breit machen, die dann übergehen in Sandelholz, danach das Zuckerrohr, dann die ganzen Hülsenfrüchte, sobald es leicht schräg wird kommt der Reis in Terrassen, dann die Hirse und wenn es wirklich trocken wird sind die Chilis dran.





2026-01-03 „Wenn du denkst es geht so schwer, kommt bestimmt eine neue Möglichkeit her“ so war es gestern. Hatte solche Freude wieder auf meinem Fahrrad zu sitzen und der Großstadt zu entfliehen. Sich treiben zu lassen in einer neuen, intakten Landschaft ist etwas vom Schönsten das mir passieren kann. Die Stengel oder starken vertikalen sind übrigens Sandelholz das hier als Rohstoff für die Duftwelt in großem Stil angebaut wird kurz vor dem Wechsel in das Mangoarea Indias.



Am späten Nachmittag bin ich dann von Tamil Nadu nach Andhra Pradesh gewechselt und habe mich in einem kleinen Dorf erkundigt ob es hier eine Möglichkeit gäbe um im Zelt zu übernachten. Nach kurzem hin und her wurde dann ein Tempel gefunden der für mich reserviert war, aber ein Junge ist gekommen und hat gesagt ich soll auf einen Kaffee vorbeikommen und so bin ich in die Familie von Rajesh und seinen Nichten gekommen. Die haben mich herzlich aufgenommen, mit Freunden das erste Bier auf dieser Reise genossen und anschließend wunderbar bekocht worden. Drei Familien in einer mit ordentlich Kindern dazu – natürlich durfte ich dann im Haus schlafen und nicht im angrenzenden Tempel. Es ist immer verwunderlich wie schnell Freundschaft schließen und Freude am Anderen sein kann – das hat mir richtig gut getan.




Durfte die Köstlichkeiten der örtlichen Küche am Abend und auch beim leckeren Frühstück genießen – Tour durch die Zuckerrohr Plantage mit viele Details – vielen herzlichen Dank für so große Gastfreundschaft!
2026-01-01 Wünsche Euch Allen ein gutes neues Jahr, einen angenehmen Start und dass Eure Wünsche in Erfolg verwandelt werden.
Zurück in „meinem“ Indien – die Mitte möchte ich noch besser kennen lernen und mit den beschränkten Möglichkeiten der direkten Einreise von Dhaka, ist meine Wahl auf Chennai/ Madras gefallen. Die Linie wird im Landesinneren ziemlich parallel zur Südwestküste Richtung Rajasthan laufen. Birgit wird voraussichtlich erst dort dazu stoßen.
Kulinarisch ist Tamil Nadu einfach auf einem anderen Level als Bangla. Es ist einfach entzückend in einem vegetarischen Restaurant sechs Seiten der unterschiedlichsten Speisen zu durchforsten und in einem Süßspeisen Geschäft präsentierte Köstlichkeiten zu bewundern 😎.
Merke doch wie mir die Anstrengung der letzten Tage Megacity in den Knochen sitzt und freue mich heute wieder aufs „Land“ zu starten. Gegenüber von Dhaka ist Chennai mit 6 Mio Einwohner fast eine Kleinstadt 😅.



